Im Trend: Kiesgärten

Kiesgärten sind „in“ - als flächiger Bodenbelag hat Kies in japanischen Gärten oder Cottagegärten eine lange Tradition und wird zunehmend auch in der Gartengestaltung für private und öffentliche Freiräume eingesetzt.

Englands berühmte Gartenkönigin Beth Chatto hat durch ihre Gärten in Essex und viele Bücher den Kiesgärten in den letzten Jahren europaweit zu einem enormen Aufschwung verholfen. Sie prägte auch den Begriff „Gravel Garden“ – Kiesgarten.

Natürliche Vorbilder

Kiesgärten sind charakterisiert durch eine eher feine und einheitliche Kies- oder Schotterschicht. An extremen Standorten in der Natur sind die natürlichen Vorbilder der Kiesgärten zu finden: alpine Felssteppen und Geröllhalden mit Bruchsteinen und größeren Findlingen oder Steppenheiden mit sandigem Material.

Anlage und Gestaltung

Für die Neuanlage eines Kies- oder Steppengartens ist die richtige Bodenvorbereitung von entscheidender Bedeutung. Nicht jeder Standort bietet schon die mageren und trockenen Bedingungen mit gutem Wasserabzug, die für einen Kiesgarten optimal sind. Schweres, toniges Erdreich wird deshalb vor der Pflanzung etwa 40 cm tief ausgekoffert und durch mineralisches Substrat (Schotter, Sand) und Oberboden (etwa 10% Anteil am Gesamtvolumen) ersetzt. Eine oberflächlich abdeckende mineralische Mulchschicht aus Kies, 4-6 cm hoch, erschwert die Unkrautkeimung und betont in farblicher Abstimmung mit der Pflanzung und Umgebung zusätzlich den besonderen Charme des Gartentyps. Durch den Einsatz verschiedener Kiesfarben und -größen können schöne, spannende Kontraste geschaffen werden. Will man eine größere Fläche abdecken, sollte man Kies der Größe 16/32 mm wählen. Der Vorteil hierbei ist, dass die Steine schwer genug sind, um z. B. Laub ohne Probleme abzurechen.

Geeignete Pflanzen und Materialien

Das mineralische Substrat eines Kiesgartens bestimmt wesentlich die Pflanzenauswahl.

Generell eignen sich lichthungrige, hitze- und trockenheitsverträgliche Pflanzen, die sich in einem mageren, durchlässigen und trockenen Boden wohlfühlen.

Die Palette reicht dabei von immergrünen und mediterranen Gehölzen (Tamariske, weidenblättrige Birne, Säuleneibe) über filigrane Gräser (Federgras), markante Wildstauden und duftende Zwergsträucher (Steppensalbei, Lavendel) bis zu Sukkulenten, mit denen opulente Pflanzbilder geschaffen werden können. Diese naturnahen Bepflanzungen sind ganzjährig attraktiv und ökologisch wertvoll. Doch die Wahl der Strukturelemente ist nicht nur auf Pflanzen beschränkt. Gerade im Kiesgarten bieten sich auch Skulpturen aus Holz und Schwemmgut oder Elemente wie Sonnenuhren an.

Pflege

Bei richtiger Planung und Anlage sind Kiesgärten im eingewachsenen Zustand sehr pflegeleicht - ein Mindestmaß an Pflege ist dennoch wichtig.

Durch die Verwendung von trockenheitsliebenden Pflanzen entfällt die Notwendigkeit der Bewässerung; Dünger wird nur wenig benötigt. Viele der typischen Samenunkräuter haben aufgrund der Trockenheit wenige Chancen aufzukommen. Eine Ausnahme sind allerdings die Wurzelunkräuter wie Quecken und Winden, die in jedem Fall vor Anlage des Kiesgartens gründlich entfernt werden sollten um später nicht zum Ärgernis zu werden. Besonders in der Anwuchsphase sind regelmäßige Kontrollen und Pflegedurchgänge notwendig. Kies verrottet zwar nicht wie Rindenmulch, dennoch sollte er etwa alle fünf Jahre nachgefüllt werden, da er sich mit der Zeit setzt oder abgetragen wird.

Literaturempfehlungen zum Thema:

1) Chatto, Beth. (2001): „Der Kiesgarten – Gärtnern auf trockenem Standort.“ Verlag Eugen Ulmer, 192 Seiten. ISBN-10: 3800131447, ISBN-13: 978-3800131440

2) Hertle, Bernd. (2010): „Kiesgärten – Blütenpracht ohne Gießen.“ Gräfe und Unzer Verlag GmbH; 2. Auflage, 144 Seiten. ISBN-10: 3833819715; ISBN-13: 978-3833819711.